Nordwestzeitung vom 24. Juni 2008

Lemwerderaner geben Energie ab ENTSPANNUNG Qi Gong-Gruppe bringt in Ernst-Rodiek-Halle Körper und Geist in Einklang

DIE ÜBUNGEN HELFEN DABEI, DASS DIE INNEREN ORGANE ANGEREGT WERDEN. DIE GRUPPE DES SV LEMWERDER TRIFFT SICH EINMAL PRO WOCHE.
VON BJÖRN VÖLLMAR

LEMWERDER - Langsam heben die 13 Frauen und Männer im Gymnastikraum der Ernst-Rodiek-Halle ihre Arme Richtung Decke. Im Hintergrund läuft leise asiatische Musik. Sie blicken aus dem Fenster nach draußen und „saugen“ die abendliche Röte der Sommersonne in sich auf.

Fantasievoll klingen die Namen der Übungen, die Renate Spieler, Leiterin der Qi Gong-Gruppe des SV Lemwerder, ansagt. „Feuerphönix steigt zur Sonne“, „Lotusblatt weht im Wind“ und „der Mensch ist Verbindung zwischen Himmel und Erde“ sind nur einige.

Ruhe und Konzentration trainieren die Teilnehmer. Sie versuchen Körper und Geist in Einklang zu bringen. Die chinesischen Meditationstechniken und Bewegungsformen sind dabei Mittel zum Zweck. Sie formen mit ihren Armen Kreise in die Luft, strecken sich und gleiten mit ihren Händen ihren eigenen Körpers entlang. „Die Teilnehmer lernen sich zu spüren und stärken ihr Wohlbefinden“, erklärt Spieler. Eine besondere Trainingsausrüstung ist nicht notwendig. Alle Teilnehmer tragen T-Shirt, Jogginghose und Sportschuhe. Einmal pro Woche trifft sich der Kursus, immer dienstags von 18 bis 19 Uhr.

Renate Spieler leitet seit zwei Jahren Qi Gong-Kurse. Die Bewegungsformen helfen dabei, dass innere Organe angeregt und entlastet werden, schildert sie. „Es wird schlechte Energie abgegeben und neue, frische aufgenommen. Qi Gong ist für die Seele sehr gut“, so Spieler, „und sorgt für innere Ruhe“. An dem Kursus des SV Lemwerder nehmen zwölf Frauen und ein Mann teil. Es sind Personen jeglichen Alters dabei. Viele von ihnen haben körperliche Beschwerden und nutzen die Bewegungstechniken als Ausgleich.

Karin Meyer: „Ich habe mit Qi Gong während der Chemotherapie angefangen. Es hat mir dabei geholfen, entspannter zu werden und meinen gesundheitlichen Umstand zu ertragen. Es gibt mir viel Kraft.“

Für verschiedene Krankheiten gibt es spezielle Formen von Qi Gong. Neben der Akupunktur ist Qi Gong einer der wichtigsten Bestandteile der traditionellen chinesischen Medizin. Aber nicht nur krankheitsbedingt werden Qi- Gong-Kurse besucht. Iris Schäfer ist dabei, um nach einem Arbeitstag „einfach nur zur Ruhe zu kommen“. Eine Nachbarin hat sie vor einem Jahr mit zu Spielers Gruppe genommen. Seitdem sei sie gelassener und setze ihre Prioritäten anders, berichtet Schäfer.

Besonders wichtig sei die richtige Atemtechnik, die der Kursus ausgiebig trainiert, erklärt Spieler: „Vernünftig zu atmen kann in vielen Lebenssituationen helfen“. Am besten sei es, jeden Tag eine halbe Stunde zu trainieren, um den täglichen, persönlichen Stress zu bewältigen.

Der Kursus trifft sich am heutigen Dienstag zum letzten Mal vor den Ferien. Am 26. August geht es dann weiter, in der Ernst-Rodiek-Halle. Jeder Kursus besteht aus zehn Terminen.

zum SV Lemwerder

Qi Gong - Wichtiger Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin

Qi Gong ist eine chinesische Selbstheilungsmethode. Bestimmte Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsformen sollen dabei helfen, Körper, Geist und Seele in harmonie zu bringen. Seinen Ursprung hat Qi Gong in der Jin-Dynastie (265 bis 420 n. Chr.). Damals bezeichnete der Daoist Xu Xun bestimmte Übungen in der Kampfkunst Qi Gong. Aber erst seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts findet der Begriff Qi Gong für Gesundheitsübungen Verwendung. Es war der Arzt Liu Guizhen, der in seiner Arbeit Techniken alter Tradition zur Förderung der  Stabilisierung des Energiehaushalts des Körpers und zur Behandlung von Krankheiten nutzte.

Qi ist in der chinesischen Philosophie und Medizin für die bewegende und vitale Kraft des Körpers. Gong hingegen bedeutet Arbeit, Fähigkeiten und Können. Übersetzt ergibt sich daraus "Arbeit am Körper". Allgemein soll Qi Gong die Lebensenergie stärken, das Leben verlängern und zu einer gesunden geistigen Verfassung beitragen. Mittlerweile existieren offiziell etwa 100 verschiedene Richtungen. Wichtig sei, dass Qi Gong erst dann zu Qi Gong wird, wenn sich wenigstens zwei von vier Komponenten zu einer Einheit verbinden: Ruhe - Entspannung - Natürlichkeit - Bewegung - Atmung - Ton - mentale Vorstellung.